Anziehung durch Tore und Kanäle – Beziehungsdynamiken im Human Design

Gleich und gleich gesellt sich gern… oder Gegensätze ziehen sich an? Alle menschlichen Beziehungen bestehen in irgendeiner Form aus Anziehung und Abstoßung. Und in diesem Beitrag geht es -passend zur Jahreszeit des Zusammenkommens und der Vorbereitung auf das Rave Neujahr– um die Rolle der Tore und Kanäle in unseren Beziehungsdynamiken.

Inwiefern beeinflussen die Tore und Kanäle die Spannung zwischen zwei Menschen? Welche Kombinationen ziehen sich an? Welche haben eher Streitpotential?

Ich hoffe, du bist schon ein bisschen neugierig. 🙂 Wenn ja, dann lass uns loslegen!

Tore & Kanäle in Beziehungscharts

Ein Kanal im Human Design ist (wie du wahrscheinlich schon weißt) die Verbindung zwischen zwei Toren. Ist ein Tor aktiviert, ist auch die zugehörige Kanal-Hälfte definiert.

Wir nehmen uns jetzt mal nur die Tore 50 und 27 mit dem Kanal 27-50 dazwischen als Beispiel für den gesamten Beitrag heraus. Anhand dieser beiden Tore und dieses Kanals möchte ich gleich die verschiedenen Kombinationen von Aktivierung / Nicht-Aktivierung und ihren Einfluss auf unsere Beziehungen erläutern.

Kanal 27-50 ist eine Verbindung zwischen dem Tor 50 im Milz-Zentrum und dem Tor 27 im Sakralzentrum.

Nehmen wir außerdem an, dass wir die Beziehung von Anna und Bob betrachten.

(Kurze Anmerkung: Diese Analyse funktioniert natürlich nicht nur für romantische Beziehungen, sondern auch für familiäre, freundschaftliche, kollegiale, … Beziehungen. Überall dort, wo zwei Menschen dicht zusammen kommen.)

Relevant für die Beziehungsdynamik in Bezug auf die Aspekte des Kanals 27-50 ist es, ob Anna und Bob Tor 27 und Tor 50 aktiviert haben, oder nicht.

Bei einer Beziehung wird sich nämlich u.A. die Überlagerung beider Charts angeschaut. Stell dir dafür vor, du legst Annas Chart über das von Bob und bekommst dadurch ein ganz neues, gemeinsames Chart.

Je nach dem, ob keiner, einer oder beide die linke / rechte Hälfte des Kanals bzw. sogar den ganzen Kanal 27-50 definiert haben, werden sich verschiedene Beziehungsdynamiken entwickeln.

Hierbei gibt es folgende Kombinationen:

  • Anziehende Kanäle: Beide haben nur die gegenüberliegenden Tore aktiviert (z.B. Anna Tor 50 und Bob Tor 27, wie im Bild oben dargestellt)
  • Harmonierende / Freundschaftliche Kanäle: Beiden haben die gleichen Tore aktiviert (z.B. Anna Tor 27 und 50 und Bob Tor 27 und 50)
  • Kompromittierende Kanäle: Einer hat beide Tore aktiviert, der andere nur eins (z.B. Anna Tor 27 und Tor 50 und Bob nur Tor 27)
  • Dominierende Kanäle: Einer hat kein aktiviertes Tor im Kanal, der andere hat beide Tore aktiviert. (z.B. Anna Tor 50 und Tor 27, Bob weder Tor 50 noch Tor 27)

Damit das Ganze klar und anschaulich wird, möchte ich im Folgenden eine Metapher verwenden: Und zwar ein Bild mit einer Tasse Milchkaffee.

Beziehungsdynamiken im Human Design – Das Bild mit dem Milchkaffee

Aus welchen zwei Komponenten besteht guter Milchkaffee?

Richtig, aus frisch aufgebrühtem Kaffee und ein bisschen Milch (welche Milch (-alternative) überlasse ich mal deinem Geschmack). 🙂

Wir stellen uns jetzt mal vor, dass der frisch aufgebrühte Kaffee die linke Hälfte des Kanals ist und die rechte Seite eine leckere Milch (-alternative).

(Falls du keinen Milchkaffee magst, kannst du dir hier auch gerne ein Brot + Avocado = Avocado-Brot vorstellen. :D)

Anziehende Kanäle – Elektromagnet

Wenn Anna das Tor 50, also den Kaffee, aktiviert hat und Bob das Tor 27, also die Milch, ist ihr gemeinsamer Kanal komplett definiert. Sie haben dann zusammen einen tollen Milchkaffee. 🙂

Beziehungsdynamik-bei-anziehenden-Kanaelen

Waren Kaffee und Milch schon einzeln gut, ist der Milchkaffee noch besser.

Das Prinzip ist: Aus zwei einzelnen Dingen wird etwas Größeres, Ganzes. Und das Ergebnis ist spannend / anziehend. .

Die Kombination kann auch sehr gut harmonieren, muss sie aber nicht. Denn wo sich Energien anziehen und Dinge „in Bewegung gebracht werden“, besteht auch das Potential für Reibung.

Vielleicht mag Anna lieber Hafermilch und Bob trinkt lieber Kakao als Kaffee. Anziehung ja, aber dauerhafte Harmonie ist nicht automatisch garantiert.

Aufgrund ihrer anziehenden Wirkung wird die Kanal-Kombination im Human Design auch als „Elektromagnet“ bezeichnet.

Harmonierende Kanäle / Freundschaft / Kompagnon

Haben Anna und Bob beide Tor 27 und Tor 50 aktiviert, entsteht ein sogenannter Freundschafts-Kanal.

Beide sind sich in diesem Fall einig, dass sie gerne Cappuccino trinken und dass sie am liebsten zusammen eine Cappuccino-Bar in Italien eröffnen würden.

Es besteht hier also keine Neugierde und Spannung (also kein „Knistern“), dafür aber Einigung und Harmonie bzw. wenig Reibung und Streitpotential.

Der harmonierende Kanal bzw. Freundschafts-Kanal hat seinen Namen also durchaus verdient.

Kompromittierende Kanäle / Kompromiss

Die kompromittierenden Kanäle entsteht, wenn Bob den ganzen Kanal 27-50 definiert hat, Anna aber nur den halben.

In diesem Fall sind sich Anna und Bob einig, dass sie gerne Kaffee trinken. Beide kennen Kaffee, beide mögen Kaffee und beide bekommen Kaffee – das ist schon mal gut.

Jetzt bringt Bob aber noch die Milch im Kaffee mit in die Beziehung. Keine pure Milch, sondern fertigen Milchkaffee. Er braucht Annas Kaffee-Anteil also vielleicht gar nicht unbedingt.

Dann kann es passieren, dass Bob Annas Kaffee-Anteil zu viel findet. Milchkaffee + extra Kaffee ist ihm vielleicht zu bitter. Vielleicht findet er es aber auch toll.

Genauso kann es sein, dass Anna Milch als Inspiration ansieht. Oder eben auch nicht. Vielleicht lernt sie, die Milch im Kaffee zu tolerieren. Ganz nach dem Motto: „Immerhin Milchkaffee und kein doofer Tee!“ (Wie du schon merkst, kann in Kompromiss-Kanälen eine Menge Konfliktpotential stecken. 😉 )

Anna würde in Bezug auf ihr Heißgetränk also einen Kompromiss eingehen. Sie bekommt ihren geliebten Kaffee, aber eben nur mit etwas Milch. Und Bob bekommt seinen Milchkaffee auch sowieso, aber wenn Anna dabei ist eben mit einem extra Schuss Kaffee.

Kompromittierende Kanäle können sich für denjenigen, der den Kompromiss eingeht (in diesem Beispiel also Anna) unangenehm anfühlen. Wichtig ist aber, dass die Betonung hier auf dem „Können“ liegt, denn es kann genauso gut sein, dass Anna Bobs Milch im Kaffee als angenehm empfindet.

Vielleicht braucht sie auch erst eine Weile, um sich an die Milch im Kaffee zu gewöhnen – und will sie danach aber nicht mehr missen. Vielleicht findet sie Milch im Kaffee erst toll, wenn sie herausfindet, dass sie noch ein Stückchen Zucker dazu geben kann.

Mit Zeit, Wohlwollen und Verständnis gegenüber dem Partner und sich selbst pendeln sich solche Beziehungsdynamiken meistens ein, sodass die Beziehung für beide als Bereicherung empfunden werden kann.

Dominierende Kanäle / Dominanz

Wie ist das nun, wenn Anna den kompletten Kanal 27-50 definiert hat und der komplette Kanal 27-50 bei Bob undefiniert ist?

In einem solchen Fall spricht man von einem „dominierenden Kanal“. Und wie der Name schon vermuten lässt, dominiert in diesem Fall Annas „Milchkaffee“-Kanal.

Anna bringt Milchkaffee mit in die Beziehung, aber Bob hat vorher weder Kaffee noch Milch getrunken.

Annas Milchkaffee ist für Bob also neu. Entweder er lernt, den Milchkaffee zu lieben, oder er hasst ihn.

Wenn er den Milchkaffee liebt, ist das toll! Dann ist Anna in diesem Lebensbereich eine Bereicherung für sein Leben.

Wenn er den Milchkaffe aber hasst, kommt er vielleicht auf die Idee, Anna für ihre Milchkaffee-Ader zu verurteilen. Vielleicht probiert er sogar, sie zu verändern – was natürlich nur mäßige Erfolgschancen hat, denn „der Milchkaffee“ kommt ja durch ihr Design.

In diesem Fall ist ein dominierender Kanal dann eher eine Quelle für Spannungen.

Aber ähnlich wie bei den kompromittierenden Kanälen gilt auch hier: Es kann zu Spannungen führen, muss aber nicht! Und selbst wenn, Spannungen erzeugen Erfahrungen, die -wenn sie konstruktiv ausgelebt werden- zu Wachstum führen. (Genau dieses Wachstum und das Erfahren eines größen, Ganzen ist meiner Meinung nach sogar der Kern von Beziehungen.)

Fazit: Anziehung und Beziehungsdynamiken im Human Design

Wenn wir das Milchkaffee-Bild mal wieder verlassen und an das klassische Human Design denken, geht es natürlich nicht um leckere Heißgetränke, sondern viel eher um die Eigenschaften / Geschenke der 64 Tore und 36 Kanäle und ihren jeweiligen Einfluss auf einen Aspekt in der Beziehungsdynamik.

Und dazu kommt noch, dass das Human Design nicht das Human Design wäre, wenn nicht auch die Eigenschaften und das Design der beiden Individuen (also nicht nur dem Partnerschaftschart) mit berücksichtigt werden würden.

Die Themen Partnerschaft und Beziehungsdynamik können also -wie immer- beliebig komplex und tiefgehend betrachtet werden… vor allem, wenn man Dinge nicht allgemein beschreibt, sondern auf dich als Individuum schaut.

Egal wie tief, es kann auf jeden Fall helfen, ein Bewusstsein für die verschiedenen Beziehungsdynamiken zu entwickeln. Denn sobald wir unsere Muster kennen, können wir sie kritisch überprüfen und gegebenenfalls verändern.

Wenn du Interesse an Partnerschafts-Charts hast, dann kannst du dir in der Pro-Version von geneticmatrix.com (Affiliate-Link, also Werbung) solche Beziehungs-Charts ausgeben lassen (Das ist allerdings leider nicht kostenlos).

Wer noch mehr zu dem Thema Human Design und Beziehungsdynamiken (vor allem im Bezug auf Kinder) lesen möchte, dem kann ich außerdem auch folgenden, tollen Beitrag empfehlen:

Human Design und unsere Kinder – Beziehungsdynamik im Human Design

Zum Schluss bleibt mir noch zu sagen, dass Human Design nur ein großes Selbstexperiment ist. Bitte lass dich nur nicht von dem Geschriebenen konditionieren oder in irgendeiner Art und Weise einschränken.

Du bist gut so, genauso wie du bist! 🙂

Viele liebe Grüße!
Deine Cati ❤

P.S.: Falls du Fehler jeglicher Art findest, lass es mich sehr gerne wissen. Ich bin jederzeit dazu bereit, meine Beiträge zu korrigieren / verbessern. 🙂

Dieser Beitrag hat 8 Kommentare

  1. Gregor

    Danke für die genialen Beiträge, ich war lange auf der Suche nach Human Design Infos und bei dir ist einfach alles zu finden! Danke von Herzen!

    1. Cati

      Hallo lieber Gregor,
      vielen Dank für deine Nachricht und die lieben Worte! 🙂 Es freut mich sehr, dass dir die Beiträge gefallen und du zum ein oder anderen Thema fündig werden kannst!
      Ganz liebe Grüße,
      Cati

  2. Matchu

    Hallo liebe Cati,
    deine Beiträge zum Human Design sind ein kleiner Traum. Einfach und verständlich erklärst du vieles. Vielen Dank!! (:

    GREAT WORK !!!

    1. Cati

      Hallo und vielen Dank für deine lieben Worte.
      Ich freue mich sehr, dass dir die Beiträge gefallen! 🙂

  3. Aylin

    Hey clara,

    Super coole Art das mit dem beispiel anschaulicher zu erklären.
    Ich hätte doch noch verständnisfragen und Impulse zur aktuellen umsetzung aus der Perspektive eines „Neulings“, da es für den ein oder anderen leser den Start leichter machen könnte:

    – warum ist bei der erst-Übersicht das Beispiel anders als bei der „(kaffee)milch-mädchen rechnung“?
    Das sorgt für verwirrung, da man sich drauf eingestellt hat und plötzlich andere Gegebenheiten erklärt werden.
    Ist das so gewollt?/ steckt da ein Sinn dahinter den ich nicht erkenne?

    – auch das bildbeispiel von beiden natal Charts hingehend zu einem komposit chart als vorlage kann verwirren oder nicht ausreichend sein , da dann nachfolgend von unterschiedlichen Möglichkeiten (in dem einen bestimmten Kanal) gesprochen wird. Vor allem wenn man visuell lernt und konkret ist macht das kaum Sinn und kreiert womöglich Chaos… Im kopf.

    -Beim kompromiss kanal beispiel, weiss ich gar nicht was und wie ich das erklären soll was sich unstimmig anfühlt. Ich versuchs mal:
    Also das Beispiel dass dann da Milch ist und man sich erst gewöhnen darf ist aus meiner sicht nicht zielführend erklärt.
    Aus meinem verständis ist es eher so dass der gesamte kanal kein Blick dafür hat dass der andere auch kaffee hat. Und der der nur kaffee hat der nicht versteht, dass der andere nicht nur Milch hat. Der der nur kaffee hat, sich ja nach dieser magnetischen Milch Seite die dann alles noch toller machen könnte, doch der der schon den Cappuccino „fertig“ hat, hat halt keine Milch für den mit dem Kaffee, sondern nur fertigen cappuchino. Daher darf der mit dem Kaffee lernen zu beobachten wie Cappuccino aussieht/schmecken kann, aber kein Anspruch oder hoffnung haben dass der mit dem Cappuccino auch Milch für den mit dem Kaffee hat. Daher ist das ein Kompromiss. Entweder trinkt der mit dem Kaffee sein kaffee allein oder sucht sich jemand mit milch, und lässt den anderen seine eigene harmonie während der kaffeetrinker beobachtend lernen kann wie das aussehen/schmecken könnte wenn es Cappuccino gibt und lässt den anderem sein cappuccino.
    Denn extra kaffee im Cappuccino machen beide nicht glücklich sondern bitter.

    Soviel dazu. Na, lust nochmal zu schauen wie mans anders schreiben kann?
    Vielleicht regt dich das ein oder andere an. 😉
    Und Falls es nicht verständlich genug war, einfach fragen.

    Liebste grüsse
    Aylin

    1. Cati

      Hallo liebe Aylin und vielen Dank für die Anregungen!
      Den Text zu den Kompromiss-Kanälen haben ich etwas modifiziert, damit es (hoffentlich) stimmiger klingt. Sag mir gerne nochmal, ob du den Text so besser findest.
      Kannst du mir vielleicht nochmal erklären, inwiefern du die Bilder ändern würdest, bzw. was nicht genau verständlich ist? Ich habe versucht, mit dem, was wahrscheinlich schon bekannt ist (Zentren + Kanal) zu beginnen und mich dann langsam über das Komplettbild and das Milchkaffeebild heranzutasten – aber vielleicht habe ich da zu merkwürdig gedacht?
      Vielen Dank nochmal und ganz, ganz liebe Grüße!

  4. Aylin

    Ergänzung:

    Aus dem Child spark Link den du auf dieser Seite verlinkt hast wird das nochmal beschrieben ohne kaffee und milch:

    Compromise. You have one gate, the other brings the complete channel and therefore they do not need or notice you. Here lies the deepest area of conflict within relationships so I loved it when I recently heard Ra say, he treats compromises like dominance, he does not react to it, he just watches. Just watching, even if you have a receptive gate that can be triggered, takes the charge out of the compromise which is only a problem for the person who does not have the whole channel so if you just allow your internal processing to take place without acting on it and just watch the fully defined channel of the other like you have nothing to do with it you will be able to enjoy the relationship a lot more.

    Grüsse, Aylin

  5. Golo

    Hey Cati, mega erklärt! Danach habe ich schon lange gesucht. Vielen lieben Dank, dass Du Dir die Mühe gemacht hast 😊

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