Binaurale Beats und ihre Wirkung auf das menschliche Gehirn

Binaurale Beats sind in den letzten Jahren immer bekannter geworden. Die Meinungen dazu gehen jedoch auseinander. Manche schwören auf die positiven Effekten beim Hören von binauralen Beats, andere halten es fĂŒr Humbug.

Wir werden dem Geheimnis um binaurale Beats nun etwas mehr auf den Grund gehen.

Außerdem erhĂ€ltst du eine Anleitung, wie du mit etwas Zeit deine eigenen binauralen Beats produzieren kannst – und das völlig kostenlos!

Was sind binaurale Beats?

Der Begriff „binaural“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie „mit beiden Ohren“. Und genau das beschreibt binaurale Beats auch schon sehr gut:

Binaurale Beats sind auditive Illusionen, die auftreten, wenn wir mit dem linken und rechten Ohr Töne zweier leicht unterschiedlicher Frequenzen hören.

(Kurzer Einschub zum Begriff Frequenz: Eine Frequenz ist die Anzahl an Schwingungen pro Sekunde. Eine Frequenz von 30 Hz bedeutet also nichts anderes als 30 Schwingungen pro Sekunde.)

Unser Gehirn verarbeitet die Differenz beider Frequenzen und erzeugt daraus einen neuen Beat – den binauralen Beat.

Ein Beispiel: Du hörst einen Ton mit einer Frequenz von 230 Hz auf dem linken Ohr und einen Ton mit einer Frequenz von 200 Hz auf deinem rechten Ohr. Dein Gehirn wird plötzlich noch einen Ton mit einer Frequenz von 30 Hz (also 230 Hz – 200 Hz) hören.

Dieser binaurale Beat hat oft eine Frequenz, die ohne diese Technik fĂŒr die meisten Menschen ansonsten gar nicht hörbar wĂ€re.

Binaurale Beats können selbst dann wahrgenommen werden, wenn eine der TrÀgerfrequenzen unterhalb der menschlichen Wahrnehmbarkeitsschwelle liegt, oder auch dann, wenn beide TrÀgerfrequenzen so leise sind, dass das menschliche Ohr sie eigentlich gar nicht mehr direkt hören kann.

Aufgrund dieser faszinierenden Eigenschaften der binauralen Beats gehen Wissenschaftler davon aus, dass die binauralen Beats auf einem anderen Weg entstehen als die Töne, die wir sonst „auf normale Weise“ hören.

Super cool, oder? 🙂

Und es wird noch spannender: Diese neue Frequenz der binauralen Beats kann z.B. so gewÀhlt werden, dass sie den Frequenzen unserer Gehirnwellen im Zustand von tiefer Entspannung gleicht.

Zum Hören von binauralen Beats braucht man lediglich einen entsprechenden Soundtrack und gute Stereo-Kopfhörer.

Lass uns zunÀchst genauer auf die Effekte der binauralen Beats auf den menschlichen Körper und Geist eingehen, bevor ich dir dann zeige, wie du deine eigenen binauralen Beats völlig kostenlos selber herstellen kannst.

Bist du bereit?

Disclaimer: Binaurale Beats sollten nur von gesunden, erwachsenen Personen verwendet werden. Menschen mit Epilepsie oder schweren, psychischen Störungen, sowie Schwangere und TrÀger von Herzschrittmachern sollten binaurale Beats nicht ohne die Zustimmung eines Arztes verwenden!

Die Wirkung binauraler Beats auf Menschen

Einige Studien zu binauralen Beats weisen darauf hin, dass das Hören entsprechender, binauraler Beats positive EinflĂŒsse auf unseren Körper und Geist haben kann.

Zu diesen Effekten zÀhlen:

  • weniger Stress und Ängste
  • erhöhter Fokus, Konzentration und Motivation
  • tiefere Meditation
  • verbesserte psychomotorische Leistung und Stimmung

Wer dazu noch tiefer ins Detail gehen möchte, wird hier sicherlich fĂŒndig.

Warum wirken binaurale Beats?

Das Gehirn arbeitet mit Frequenzen im Bereich zwischen 0,1 Hz und 70 Hz.

Jede dieser Frequenzen ist fĂŒr einen bestimmten Bewusstseinszustand des Gehirns verantwortlich: Die Bandbreite dieser ZustĂ€nde reicht von tiefem Schlaf bis hin zu hoher Konzentration und LeistungsfĂ€higkeit.

Je nachdem welcher Bewusstseinszustand erreicht werden soll, kann dem Gehirn durch binaurale Beats einer der fĂŒnf neurologisch relevanten Frequenzbereiche angeboten werden.

Diese Frequenzbereiche sind: Delta, Theta, Alpha, Beta und Gamma:

FrequenzbereichFrequenzBeschreibung
Delta0,1 Hz –
4 Hz
Traumloser Schlaf 
Theta4 Hz –
8 Hz
Leichter Schlaf, REM-Phase,
TrÀume, Entspannung
Alpha8 Hz –
13 Hz
Entspannung, Zustand kurz vor und nach dem Schlaf,
Erhöhte Erinnerungs- und LernfÀhigkeit
Beta13 Hz –
30 Hz
Hellwach, geistige AktivitÀt, Konzentration,
Gute AufnahmefÀhigkeit und Aufmerksamkeit
Gamma> 30 HzGeistige Höchstleistung,
Problemlösung, Angst

Je nach dem ob du also einen „Hellwach“-Zustand oder einen Zustand von erholsamer Entspannung erreichen möchtest, solltest du die Frequenz deines binauralen Beats wĂ€hlen.

Wenn du schon weit, welchen Zustand du anstrebst, dann schreib dir die gewĂŒnschte Zielfrequenz am Besten direkt auf. Die wirst du nĂ€mlich gleich wieder brauchen, wenn du dir deine eigenen binauralen Beats herstellen möchtest.

Binaurale Musik selber machen

FĂŒr deine ganz persönliche, kostenlose binaurale Musik brauchst du ca. eine Stunde Zeit, das kostenlose Programm Audacity (Audacity kann man z.B. hier downloaden, oder hier ĂŒber Chip) und eine Hintergrundmusik.

Zum Thema Hintergrundmusik: Da die binauralen Beats an sich nicht unbedingt besonders schön klingen (wenn du es gleich hörst, wirst du wissen, was ich meine), werden wir eine angenehme Melodie in den Hintergrund legen.

Diese sollte schon ungefĂ€hr zu dem Zweck deiner binauralen Beats passen. Also wenn du damit entspannen möchtest, solltest du keine extrem schnelle Techno Musik wĂ€hlen. Du weißt, was ich meine. 🙂

Falls du gerade keine passende Hintergrundmusik zur Hand hast, kannst du dich z.B. mal in der Youtube Audio Library oder auf frametraxx umschauen.

Wenn du alles hast, können wir loslegen!

Schritt 1) Planen

Du hast dir hoffentlich schon ausgesucht, welchen Zweck deine binaurale Musik erfĂŒllen soll (Entspannung, Konzentration, Schlaf, …).

Dementsprechend hast du dir auch schon die Zielfrequenz deiner binauralen Beats aufgeschrieben. Falls nicht, schau nochmal in der Tabelle oben nach.

Jetzt kannst du dir noch ĂŒberlegen, wie lang deine binaurale Musik sein soll.

Wenn du z.B. langsam (ca. 5 Minuten) aus der Hirnwellenfrequenz im stressigen Alltag abgeholt werden möchtest (ca. 20 Hz) und dann fĂŒr ca. 5 Minuten mit niederfrequenten, binauralen Beats entspannen willst (ca. 7 Hz), bekommst du eine GesamtlĂ€nge deines binauralen Soundtracks von 5+5 = 10 Minuten.

Also: Welche Phasen willst du durchlaufen? Wie lang soll dein Soundtrack sein?

Wenn du das weit, bist du bereit mit Audacity loszulegen!

Schritt 2) Hintergrundmusik importieren

Wenn du Audacity gestartet hast, importieren wir als erstes deine Hintergrundmusik.

DafĂŒr klickst du auf Datei → Importieren → Audio und wĂ€hlst den Track fĂŒr deine Hintergrundmusik aus.

Deine Hintergrundmusik wird dann als eine blaue Tonspur in Audacity angezeigt.

Und wenn du auf das grĂŒne „Play“-Symbol oben in der Leiste klickst, solltest diese Musik abgespielt werden.

Tipp: Da die meisten MusikstĂŒcke nur etwa fĂŒnf Minuten laufen, bietet es sich an, diese bei Bedarf mehrmals hintereinander aneinander zu schneiden. Dazu einfach mit Doppelklick auf die Tonspur klicken, sodass die komplette Spur grau hinterlegt wird. Dann kopieren (Strg + c) und ans Ende der ersten Tonspur klicken. Hier kannst du deine Tonspur dann ĂŒber Strg + v nochmal einfĂŒgen. Oder, wenn dir das lieber ist, kannst du auch eine zweite Hintergrundmusik an die erste schneiden.

Schritt 3) Spur fĂŒr das linke Ohr

Nun erstellen wir die Spur fĂŒr dein erstes Ohr. Unsere Zielfrequenz fĂŒr die binauralen Beats zum Entspannen ist 7 Hz. Jetzt ĂŒberlegen wir uns, welche Differenz eignet sich am Besten fĂŒr die 7 Hz.

Am Optimalsten bieten sich hier TrÀgerfrequenzen zwischen 200 Hz und 400 Hz an.

Um meine Zielfrequenz von 7 Hz zu erreichen könnte ich also 400 Hz auf dem linken und 380 Hz auf dem rechten Ohr wÀhlen. Oder ich suche mir die Frequenzen 300 Hz und 280 Hz aus. In beiden Varianten werde ich binaurale Beats mit einer Frequenz von 20 Hz hören:

400 Hz – 380 Hz = 20 Hz
300 Hz – 280 Hz = 20 Hz

Welche Variante du wĂ€hlst, bleibt ganz dir ĂŒberlassen. Suche dir am Besten etwas aus, das angenehm klingt und gut zu deiner Hintergrundmusik passt.

Ich wĂ€hle jetzt in unserem Beispiel mal eine TrĂ€gerfrequenz fĂŒr das linke Ohr von 200 Hz aus.

Wie baue ich diese Frequenz jetzt in Audacity ein?

Das ist eigentlich ganz einfach. 🙂

DafĂŒr klickst du auf Spuren → Neu hinzufĂŒgen → Monospur und fĂŒgst zuerst eine weitere Spur hinzu.

Dann klickst du auf Erzeugen → Klang… und wĂ€hlst dann „Sinus“ deine gewĂŒnschte Frequenz, sowie die LĂ€nge der Sinus-Schwingung aus. Das sollte die GesamtlĂ€nge deines Soundtracks sein (im Beispiel also 10 Minuten).

Die Amplitude kannst du erstmal wĂ€hlen, wie du möchtest. Allerdings wĂŒrde ich dir einen Wert von 0,7 empfehlen.

Nun stellst du nur noch den kleinen Schieberegler ganz links an deiner neuen Monospur nach ganz links auf „L“.

Wenn du magst, kannst du auch die LautstĂ€rke der Sinus-Schwingung etwas runterschrauben. Schiebe den Regler dafĂŒr einfach etwas mehr in Richtung des Minus-Symbols.

Fertig mit der Spur fĂŒr das linke Ohr!

Fehlt nur noch das rechte Ohr und deine binaurale Musik ist fertig! 🙂

Schritt 4) Spur fĂŒr das rechte Ohr

Schritt 4 ist Schritt 3 eigentlich recht Ă€hnlich. Nur, dass du dieses Mal einen sogenannten „Chirp“ einbaust.

Unter Schritt 1 hatten wir uns ĂŒberlegt, dass wir langsam aus dem Alltag abgeholt werden wollen (Frequenz von ca. 20 Hz) und nach 5 Minuten im entspannten Zustand von 7 Hz angekommen sein wollen.

Da wir auf dem linken Ohr die konstante Frequenz von 200 Hz haben, brauchen wir auf dem rechten Ohr nun einen Klang, der bei 220 Hz anfĂ€ngt und ĂŒber 5 Minuten langsam auf eine Frequenz von 207 Hz „hinunter fĂ€hrt“.

Auch das ist in Audacity recht einfach umzusetzen.

Zuerst klickst du wieder auf Spuren → Neu hinzufĂŒgen → Monospur und fĂŒgst eine dritte Spur hinzu.

Den Schieberegler dieser Spur stellst du dieses Mal nach ganz rechts auf „R„, denn wir wollen ja nur das rechte Ohr bespielen.

Auch hier kannst du gerne die LautstÀrke etwas runterregeln.

Dann klickst du auf Erzeugen → Zirpen… und wĂ€hlst als Wellenform wieder den Sinus aus. Bei der „Start“ und „Ende“ trgst du die Werte deiner Start- und Endfrequenz ein, also in unserem Fall 220 Hz und 207 Hz.

Die GesamtlÀnge wÀhlen wir dieses Mal auf nur 5 Minuten, da wir nach 5 Minuten ja bei einem binauralen Beat von 7 Hz angekommen sein wollen.

Binaurale Beats in Audacity erstellen - Screenshot

So weit, so gut.

Jetzt fehlen nur noch die letzten 5 Minuten auf dem rechten Ohr und wir sind fertig.

DafĂŒr klickst du an das Ende der Monospur fĂŒr dein rechtes Ohr und gehst dann wie bei der Spur fĂŒr das linke Ohr auf Erzeugen → Klang… .

Hier wĂ€hlst du noch einmal „Sinus“ und deine gewĂŒnschte Endfrequenz aus, in unserem Fall also 207 Hz. Die GesamtlĂ€nge sollten jetzt die letzten 5 Minuten sein unserer Spur fĂŒr das rechte Ohr sein.

Dein fertiger Track sollte jetzt ungefÀhr so aussehen:

Schritt 5) Soundtrack exportieren

Wie klingt dein Track bisher? Hörst du die binauralen Beats?

Du kannst gerne noch etwas an den LautstÀrken herumbasteln und schauen, dass deine binaurale Musik angenehm klingt.

Wenn du zufrieden bist, kannst du dein Werk ĂŒber Datei → Exportieren → Als MP3 exportieren als eine MP3-Datei exportieren und deine binaurale Musik ausprobieren. Viel Spaß dabei!

Binaurale Beats hören

Herzlichen GlĂŒckwunsch! 🎉 Du hast du deinen ganz persönlichen, binauralen Soundtrack.

Wie oben bereits gesagt, brauchst du jetzt nicht mehr viel: Nur ein bisschen Zeit und gute Stereo-Kopfhörer.

Wichtig zu sagen ist außerdem noch, dass man beim Hören von binauraler Musik im niedrigen Frequenzbereich (also zum Entspannen) unbedingt die Augen geschlossen haben sollte. Denn mit dem Öffnen der Augen geht die Frequenz im Gehirn automatisch in einen höheren Bereich ĂŒber.

Also fĂŒr Entspannung am Besten hinlegen, die Augen schließen und die Musik genießen (also alles, was auch ohne binaurale Beats schon sehr entspannend wirken sollte 😀 ).

Und, weil es so wichtig ist, noch einmal kurz der Disclaimer:

Disclaimer: Binaurale Beats sollten nur von gesunden, erwachsenen Personen verwendet werden. Menschen mit Epilepsie oder schweren, psychischen Störungen, sowie Schwangere und TrÀger von Herzschrittmachern sollten binaurale Beats nicht ohne die Zustimmung eines Arztes verwenden!

Jetzt freue ich mich, wenn du mir deine Erfahrungen mit dem Erstellen und Hören deiner binauralen Beats teilst.

Ich wĂŒnsche dir viel Spaß und gute Entspannung / Konzentration / TrĂ€ume / whatever! 🙂

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Josi

    Hey, das klingt total spannend. Ich hab ab und an Tracks von Spotify gehört, aber ohne Kopfhörer… da werd ich nachher direkt mal danach suchen.

    Danke fĂŒr deine tollen BeitrĂ€ge 💚

Schreibe einen Kommentar